Die Opposition in der DDR

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Die Regierung der DDR herauszufordern, hatte einen hohen Preis für die mutigen Aktivisten in ihrem Kampf für Menschenrechte, Demokratie und Meinungsfreiheit. Nur wenige hatten diesen Mut, inspiriert von den dramatischen Ereignissen im benachbarten Polen, wo die Protestbewegung Solidarnosc sich großer Unterstützung durch die Bevölkerung in den frühen 80ern erfreute.

Die kleinen Gruppen der Umwelt- und Menschenrechtsgruppen in der DDR riskierten, wenn nicht ihr Leben, so doch ihre Existenz, wenn sie gegen Wahlfälschung, Zensur, Unterdrückung und Reisebeschränkungen protestierten.

Weil sich die jungen Aktivisten der Umweltbibliothek in einem Keller trafen und Flugblätter zu Umweltschäden unvorstellbaren Ausmaßes druckten, wurden sie von der Staatssicherheit bespitzelt, verfolgt, verhaftet und schikaniert. 1986 rissen sie die Mauer des offiziellen Schweigens über massives Baumsterben und chemischer Verseuchung von Europas schmutzigster Stadt, Bitterfeld, sowie der bestürzenden Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke in Espenhain, nieder. In Espenhain war die Luft dermaßen mit Kohlestaub belastet, dass Autos am Tag ihre Scheinwerfer einschalten mussten.

Dissidenten und deren Familienangehörige verloren ihre Arbeitsplätze oder wurden von Schulen verwiesen. Als Staatsfeinde abgekanzelt, trafen sie sich in ihren Wohnungen, redeten über Politik und sangen Protestlieder, derweil von der Stasi über verborgene Abhörwanzen belauscht. Manche Aktivisten wurden des Landes verwiesen. Erst nach dem Mauerfall und Zusammenbruch der DDR stellte sich heraus, dass die Überwachung rund um die Uhr stattgefunden hatte.

Über viele Jahre hinweg waren die verschiedenen Oppositionsgruppen nur ein kleiner, sehr exponierter Teil der 17 Millionen DDR-Bürger. Erst zu Ende der 80er Jahre nahm die Zahl der Protestgruppen und Demonstranten gegen die Schandtaten des DDR-Regimes zu und fanden Schutz bei der ostdeutschen evangelischen Kirche. Kirchen in der gesamten DDR öffneten ihre Türen zur Unterstützung von Frieden, Freiheit und Bürgerrechten.

1989 breitete sich Mut wie ein Lauffeuer aus und neue Gruppen erschienen unter den Demonstranten: „Neues Forum“, „Demokratie Jetzt“, „Demokratischer Aufbruch“, “Initiative Frieden und Menschenrechte”, “die Arche – grün-ökologisches Netzwerk in der Evangelischen Kirche” – sie alle forderten Reformen und Mitbestimmung in der DDR.

Die Zahl der Demonstranten steigerte sich exponentiell. Die Beteiligten an den Demonstrationen führten hitzige Debatten mit der Volkspolizei. Im Laufe der Wochen begann der tief verwurzelte Respekt gegenüber den Dienern des DDR-Regimes zu schwinden und immer mehr Menschen trauten sich, ihre Unzufriedenheit mit einem System, das sie an einer sehr kurzen Leine hielt, auszusprechen.

Text: Gitte Merrild
aus dem Englischen übersetzt von: Achim Gaier