Author Archives: widerstand

Ausstellungseröffnung “Radikal persönlich”

Eine geradezu festliche Stimmung herrscht in der Zionskirche am Abend des Reformationstags 2014. Viele sind gekommen, um die Ausstellung „Radikal persönlich. Zeitdokumente der Friedlichen Revolution“ der Fotografin und Grenzgängerin Ann-Christine Jansson zu sehen.
Man kann sich im Fluss der zahlreich Erschienenen förmlich von Bild zu Bild, von Objekt zu Objekt treiben lassen. Neben den Fotografien, die Momentaufnahmen einer vergangenen Zeit dokumentieren, zeugen unter anderem auch technische Relikte, wie das Vervielfältigungsgerät der Firma Japy, vom Mut und Kampfgeist der Oppositionellen.
Die Ausstellung zeigt sehr eindrücklich, wie sich der Widerstand im Untergrund organisierte und zeichnet ein feinfühliges Bild der Lage Deutschlands auf beiden Seiten der Mauer, vor und nach der Wende. Warnfried Altmann begleitet die Veranstaltung auf dem Saxophon mit einer expressiven Dekonstruktion von „Auferstanden aus Ruinen“. Darin lässt er Zerfall und Untergang hörbar, und dank der besondere Akustik in der Kirche, fühlbar werden.

Anschließend sprechen Ulrike Poppe, Bischof Dr. Markus Dröge und die Künstlerin selbst kommt zu Wort. Pünktlich um 18 Uhr läuten die Glocken und bitten die sich auf der Empore versammelten Besucher hinunter zum Festgottesdienst.

Julia Jennek

Foto: Vera Rüttimann Foto: Vera Rüttimann Foto: Vera Rüttimann Foto: Vera Rüttimann Foto: Vera Rüttimann Foto: Vera Rüttimann Foto: Vera Rüttimann Foto: Vera Rüttimann Foto: Vera Rüttimann Foto: Vera Rüttimann

Eröffnungsveranstaltung

Die Auftaktveranstaltung des Themenjahres “Hier stehe ich” und der Veranstaltungsreihe Widerstandsräume: Friedliche Revolution begann am Sonntag dem 6. April in der Berliner Zionskirche. Eine bedeutende Ortswahl, da die Zionskirche und die nahe gelegene Umweltbibliothek ein zentraler Punkt der kirchlichen Protestbewegung gegen das DDR-Regime zwischen 1949 und 1989 darstellten.

Margot Käßmann

Pfarrerin Dr. Margot Käßmann

So erlebte es auch Dr. Margot Käßmann, die mit ihrer Andacht am Sonntagmorgen das Themenjahr eröffnet:

“In der [...] Diktatur der DDR war die Zionsgemeinde für viele ein Ort der offenen Rede, vor allem in den 80er Jahren. Die Umweltbibliothek steht symbolisch dafür, dass hier die Türen geöffnet wurden für Redefreiheit, Gedankenfreiheit, auch wenn es sehr wohl Angst gab vor Bespitzelung durch die Stasi, auch die Frage, was darf die Kirche. Das war sehr mutig und darauf können Sie stolz sein. Es ist wichtig, dass diese Erinnerung 25 Jahre nach der friedlichen Revolution mit der Ausstellung hier wach gehalten wird”

Sie erörtert in ihrer Predigt den Lutherschen Ausspruch „Hier stehe ich“. Diese drei Worte wurden zum Manifest, seine Überzeugung und seinen Willen auch bei Androhung von Strafe durch die Obrigkeiten nicht zu beugen. Ein Wahlspruch, der zweifelsohne auch zu den Helden der stillen Revolution während der DDR passt.

So Margot Käßmann: “Am Ende waren es diejenigen, die den Widerstand wagten, die für unsere Kirche zu Vorbildern wurden. Diejenigen, die sich angepasst haben, das Leid ignorierten, die Opfer missachteten – sie zählen zur Geschichte von Schuld und Versagen, die unsere Glaubenstradition leider auch kennt”

Begleitet wurde die Predigt von dem Chor OPUS VOCALE.
–> Predigt Margot Käßmann zum Herunterladen

Im Anschluss an die Worte der Pfarrerin kletterten wir hinauf auf die Empore der Zionskirche. Beschienen vom Sonnenlicht, das durch die wunderschönen Kirchenfenster fiel,  sahen uns die Gesichter vieler Hauptakteure der ostdeutschen Widerstandsbewegung an.
Die Ausstellung “Gesichter der Freidlichen Revolution” ist ein Projekt des Fotografen Dirk Vogel. SONY DSC

Nach der Begrüßung durch den Schirmherren des Themenjahres Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident des Landes Brandenburg, übernimmt um halb zwölf Prof. Dr. Paul Nolte, der Präsident der Evangelische Akademie zu Berlin, das Wort. Er würdigt die Akteure der Revolution und macht auf den Preis aufmerksam, den viele von ihnen für ihre Standhaftigkeit zahlten:

“Überhaupt, „Friedliche Revolution“? Ja gewiss, ohne Barrikadenkämpfe, blutige Straßenschlachten, im Geiste des zivilen Ungehorsams. Aber im Blick auf diese Biographien muss man sich vor einer Verniedlichung hüten. Die Nonkonformität, der Protest bargen ein manifestes Risiko. Die Gewalt des Regimes schwebte nicht nur als Drohung über jedem Einzelnen. Viele, vielleicht die meisten der Porträtierten sind verhaftet und verhört worden, haben kürzere oder längere Zeit im Gefängnis verbracht. Die Sicherheit der eigenen Lebensführung und die der Familie, die eigene Existenz, all das stand immer wieder auf dem Spiel. Diese Friedliche Revolution war keineswegs eine harmonische Machtübergabe, sondern entwickelte sich in scharfen Konflikten, mit Ecken und Kanten. Mir scheint, dass auch davon die Gesichter, die Fotografien Dirk Vogels, erzählen.”

Portrait Stephan Krawczyk aus der Ausstellung „Gesichter der Friedlichen Revolution“.  © RHG/ Dirk Vogel

Portrait Stephan Krawczyk aus der Ausstellung „Gesichter der Friedlichen Revolution“. © Dirk Vogel

Auch die Schlussworte Noltes sind so eindrücklich und bedürfen wohl kaum einer weiteren Erklärung:

“Was ist aus den stillen Helden von damals geworden? [...] Alle sind ihren individuellen, ganz charakteristischen Weg weitergegangen. [...] Diese Menschen haben nicht nur die DDR verändert und das SED- Regime zum Einsturz gebracht. Sie haben, obwohl sie oft keineswegs zuerst an eine Wiedervereinigung dachten, seit fast einem Vierteljahrhundert das ganze Land geprägt, und prägen es an vielen Stellen weiterhin. Der Rückblick ist deshalb, zum Glück, kein nostalgischer. Denken Sie daran, wenn Sie gleich in die Gesichter der Friedlichen Revolution blicken.” 

–> Ansprache Prof. Dr. Paul Nolte zum Herunterladen

Einer der auf Dirk Vogels Bilder verewigten ist Stephan Krawczyk. Der DDR-Liedermacher ist einer der bekannteren Dissidenten des SED-Regimes und bereichterte die Ausstellungseröffnung mit seinem Gesang:

Film: BZ online vom 07.04.2014 Die DDR ist tot Ste­phan Krawczyk singt noch immer