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WendeLese in der Zionskirche am 06. Oktober 2014

Ein bewegtes langes Wochenende liegt hinter uns, gefolgt von einem lauten, bewegten 7. Oktober.
Am Erntedankwochenende bot die Veranstaltungsreihe „Widerstandsräume“ einen kulturell bunten Strauß an remineszenten Aktivitäten in der Zionskirche an.

Vera Rüttimann

Vera Rüttimann; Ausstellung Dirk Zander

Am Freitag eröffnete Dieter Zander seine Ausstellung auf der Empore der Zionskirche. Die Vernissage der

Ausstellung „über allen Gipfeln ist Ruh“ wurde musikalisch vom Evangelischen Jugendmädchenorchester Oslo begleitet.

Am Samstag Abend wurde dann der berühmt-berüchtigten ostdeutschen Punk-Szene gedacht, und die Band HANS AM FELSEN gab eine Kostprobe davon, wie Punk Musik klingen kann.

Am Sonntag dann ging das Erntedankwochenende in die letzte Runde: Schönster Sonnenschein fiel durch die Fenster der Kirche, als wir uns um 12:00 Uhr auf der Empore zur Literaturveranstaltung WendeLESE trafen. Die Bilder und Skulpturen von Dieter Zander gaben der Empore eine besondere Atmosphäre, und vor den Türen warteten Kaffee und Kuchen auf ihre Abnehmer. Erstmals gab es während der Veranstaltung sogar eine Kinderbetreuung, damit Kind und Eltern das Beste des Tages genießen konnten. Außerdem wurde dazu eingeladen, die kircheneigenen Bienenstöcke zu bestaunen, mit Hilfe derer die Zionskirche ihren eigenen leckeren Honig hervorbringt.

Im Zuge der WendeLESE gaben fünf Autoren den Gästen einen Einblick in ihre ganz persönliche Verarbeitung der Geschehnisse während oder nach der Deutschen Teilung. Geistreich moderiert wurden die Lesungen von Franziska Günther, Sachbuchlektorin im Aufbau Verlag. Die Mischung der Autoren hätte nicht bunter sein können:

Zuerst lasen die beiden Schwestern Anna und Susanne Schädlich aus ihrem autobiografisch geprägten Werk „Ein Spaziergang war es nicht“. Susanne Schädlich kennen wir bereits aus dem vergangenen Erzählsalon im Salon von Ekke Maaß, bei welchem sie einige Einblicke in das Buch von ihr und ihrer Schwester gegeben hat. In ihrem Buch porträtieren die Schwestern, inspiriert von ihren eigenen Erlebnissen, die Geschichten von Menschen, die als Kinder oder Jugendliche mit ihren Eltern die DDR verlassen haben. Für viele Kinder war der Umzug in den unbekannten Westen eine traumatische Erfahrung, die viele nur schwer oder nicht gänzlich verarbeitet haben. Susanne und Anna Schädlich geben diesen Schicksalen in „Ein Spaziergang war es nicht“ eine Stimme.

Anschließend stellte Gregor Sander seinen Roman „Was gewesen wäre“ vor. Themen des Buches sind Liebe, Freundschaft und Identität zwischen Ost und West vor und nach dem Mauerfall. Erzählt wird die Geschichte vorwiegend aus der Sicht der Haupt-Protagonistin Astrid, deren Entwicklung den roten Faden des Romans darstellt.

Ein Auszug des Buches gelesen von Gregor Sander hören Sie hier:

Um 15:00 Uhr hören wir gespannt Silke Kettelhake zu, die die Geschichte von „Sonja“ erzählt und aus der von ihr stellvertretend aufgeschriebenen Biografie liest. Nachdem Sonja mit einigen Freunden auf dem Alexanderplatz bei jugendlichen Dummheiten von der Volkspolizei aufgesammelt wird, kommt sie in die geschlossene Abteilung des Jugendwerkhofes Torgau. Hier beginnt ihre lange, beschwerliche Geschichte in der DDR, die sie von der schlechtesten Seite hat kennenlernen müssen.

Hören Sie hier einen Auszug aus dem biografischen Werk, gelesen von der Autorin:

Literarische Abwechslung kommt um 16:30 Uhr mit dem Comic-Autor Flix. Sein „Da war mal was“ ist eine sogenannte „Graphic novel“. In kurzen, stilisierten Bildgeschichten verarbeitet Flix grafisch einige spontane Erinnerungen an die DDR, die ihm Bekannte oder Begegnungen anvertraut haben. Manches davon ist ernst, manches traurig und vieles lustig.

Ein Aszug aus Flix’ Comic-Lesung. Hier seine eigene DDR-Erinnerung:

Die letzte Lesung des Tages erfolgt durch den Spiegel Autor Peter Wensierski. In seinem Buch „Die verbotene Reise“ geht es ebenfalls um ein erlebtes Schicksal, nämlich das von Marie und Jens. Das junge ostdeutsche Paar will raus aus der Enge des Berliner Ostens und schmiedet den Plan, sich bis zur Chinesischen Botschaft in Peking durchzuschlagen. Ein Plan, der ihnen tatsächlich gelingt, jedoch für beide unterschiedliche Konsequenzen hat.

Wie es weiter ging am 6. Oktober erfahren Sie im nächsten Post.